The Glacier

Oper 2.0

Nicole Erbe (Libretto und Regie) inszeniert mit ruhiger, inspirierter Hand. Mit großer Detailgenauigkeit stellt sie das innere Drama des überlebenden Bruders in den Focus der Aufführung. Komponist Christian Klinkenberg präsentiert eine verfeinerte Klangfolie (...)
Ein Opernformat, in dem die angestrebte Verzahnung diverser multimedialer Elemente reibungslos gelang.         PEDRO OBEIRA

— 28.10.19 Aachener Nachrichten

Premiere 25.10.19
Alter Schlachthof Eupen, Brüssel, St. Vith, New York

Libretto Regie: Nicole Erbe
Komposition: Christian Klinkenberg
Dirigent: Bart Bouckaert
Gesang: Jean Bermes
Schauspiel: Ilan Daneels
Grafische Partitur: Marc Kirschfink
Ausstattung: Jens Schumacher
Video: Ludwig Kuckartz
Radiostimme: Juliane Pempelfort (D)
Radiostimme: Julia Hansen (E)
ORCHESTER:
Flöte: Anne Davids Bohlen-Pierce Klarinette: Nora-Louise Müller Saxophon: Philipp Gerschlauer, Luc Mary
Trompete: Stephen Altoft Fagott: Jonny Reinhard Geige: Dan Auerbach, Paul Pankert 41-Ton Gitarre: Melle Weijters Bass: Vedran Mutic´ Schlagzeug: Stephan Klinkenberg

Alter Schlachthof Eupen /BE


Der Inhalt

"Ein faszinierend multimediales Erlebnis ist die zweite Oper von Christian Klinkenberg. „Der Gletscher“ ist eine geniale musikalische Umsetzung einer bewegenden Geschichte. Zwei Brüder, Max und Gabriel, besteigen einen Berg. Gabriel, der unbekümmertere der beiden, stürzt in einen Gletscher. Max wird in der Folge selber Gletscherforscher, erkennt bei seinen Exkursionen in jedem Baum oder Felsen seinen Bruder und begibt sich nach 30 Jahren auf Spurensuche.

Trifft er real oder nur in der Fantasie seinen Bruder? Die Librettistin Nicole Erbe, die die Stückvorlage ausgehend von Texten ostbelgischer Autoren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schrieb, lässt das Ende in der Schwebe. Aber die Schlussworte „Doch ich verlasse dich nicht“ sind deutlich.  „Es gibt verschiedene Ebenen, in denen erzählt wird, "sagt Nicole Erbe," eine reale Ebene, aber auch eine Ebene der Gedanken und der Unruhe über den Verlust des Bruders. “
Klinkenberg hat eine rund 80-minütige Komposition geschaffen, die eine kongeniale Symbiose von groovigen Rockrhythmen, Jazzimprovisationen, einigen Klangcollagen und hauptsächlich verschiedener Systeme der zeitgenössischen Musiksprache ist. Vor allem die Mikrotonalität spielt hier eine wichtige Rolle. Sei es die Bohlen-Pierce-Skala, die die traditionelle Oktave sprengt und ganz neue Intervalle aufweist, oder die 41Ton-Gitarre, die optisch wie klanglich faszinierend ist oder die 19-Ton-Trompete, die übrigens als einziges Instrument nicht live sondern auf der Tonspur der Videoprojektion zu hören ist. 


Dank der graphischen Notation bekommen die Musiker mehr Freiheit aber auch mehr Eigenverantwortung. Sie ist nicht nicht nur die Partitur für alle Musiker sondern auch Teil der Videoprojektionen. Im Wechsel mit den abstrakten Arbeiten des Videokünstlers Ludwig Kuckartz und den Bildern des verschollenen Bruders oder gar des Brüderpaares, sind sie integraler Bestandteil der optischen Wiedergabe. Marc Kirschvink schuf hier sehr schöne Gemälde, die auch für sich als eigenständige Kunst stehen.

Überhaupt ist „Der Gletscher“ ein Gesamtkunstwerk. Auch für den Sänger Jean Bermes eine besondere Herausforderung. Dabei verlangt Klinkenberg von Bermes auch noch dem Thema entsprechend das Spiel auf dem Alphorn. „Ein Instrument, was mich immer gereizt hat, auch wegen meiner großen Verbundenheit mit der Alpenregion“, sagt Bermes. „Aber es ist eine Herausforderung vom Singen aufs Alphorn umzusteigen und wieder zurück aufs Singen.“

Ende November stehen drei Aufführungen in New York an. „Da freuen wir uns natürlich ganz besonders drauf und ich habe auch bei den letzten Gesprächen gemerkt, dass die Musiker immer heißer darauf werden, die Musik in die ganze Welt zu tragen“, sagt Klinkenberg. BFR 28.10. Hans Reul


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