Angst oder Hase

Julia Haenni

Die Zuschauer, Kinder wie Erwachsene, reagieren gebannt, können viel lachen und auch mitleiden. Und zollen dieser fantastischen Inszenierung tosenden Applaus.

—Nordwest-Zeitung, 29.04.2025

Premiere 27.04.2025
Junge Landesbühne

Regie: Nicole Erbe
Bühnen- und Kostumbild: Barbara Bloch
Choreographie: Olga Blank
Dramaturgie: Britta Hollmann
Regieassistenz: Ronja Lange
A: Gisa Stößl
B: Henryk Rościszewski
C: Joshua Arndt


Auf der Landesbühne Nord: Die Aufführungen von Angst oder Hase

Was haben Mut und Angst miteinander zu tun? Kann man beides gleichzeitig fühlen? Und was, wenn ein Rascheln unter der Zuschauertribüne plötzlich alles verändert?

 

Drei Schauspieler*innen betreten die Bühne, um eine große Show über Mut zu präsentieren. Sie wollen das Publikum begeistern, ermutigen, inspirieren und zeigen, was es braucht, um über sich hinauszuwachsen. Alles ist vorbereitet, der Text sitzt, das Saal licht ist an – und dann: ein Geräusch. Ein Rascheln. Ganz leise, irgendwo unter der Zuschauertribüne. War das etwa gerade ein Hase? Hasen sind doch „saugefährlich“! – Ihr flauschiges Fell und ihre niedliche Stupsnase bloß eine clevere Tarnung. Und auf einmal steht nicht mehr der Mut im Mittelpunkt, sondern die Angst.

Die Vorstellung entwickelt sich zunehmend zur echten Herausforderung, denn die Angst kehrt immer wieder zurück: Angst vor Kröten, Angst vorm Publikum, Angst vor explodierenden Scheinwerfern. Es folgt eine irrwitzige Reise durch absurd-komische Szenen, in der die Protagonist*innen Unsicherheiten durchleben, miteinander tanzen und streiten, während sie gleichzeitig ihre Ängste in rasant-witzigen Dialogen schonungslos offenlegen.

Doch was ist eigentlich Angst und was macht sie mit uns? Kann man sie bekämpfen und muss man das überhaupt? Ist Angst vielleicht sogar ein notwendiger Teil des Muts? Während die sympathischen Figuren versuchen, die Show um jeden Preis zu retten, laden sie das Publikum ein, mit ihnen gemeinsam dem Hasen – also der Angst – die Stirn zu bieten.

 

ANGST ODER HASE erzählt mit viel Situationskomik von einem Gefühl, das alle kennen, aber das kaum jemand offen zeigt. Mit einem liebevollen Blick auf das Menschliche beweist die Schweizer Autorin Julia Haenni, dass Angst kein Zeichen von Schwäche ist, sondern Teil unserer Kraft, um weiterzugehen. Dabei spielt sie mit Sprache und Raum und beleuchtet das Menschsein in all seiner Widersprüchlichkeit. Die Bühne wird zum Experimentierfeld, zur Mutprobe, zum Rückzugsort – und manchmal auch zum Käfig. Ein berührendes Familienstück, das mit viel Humor und Leichtigkeit das Thema Angst entlarvt. Und vielleicht huscht am Ende doch noch ein kleiner Hase über die Bühne...